Tage

grenzenlos

Das Musical

grenzenlos

(c) Eva Held, Wolgast

„Grenzenlos“ ist ein von der Autorin Antonia Michaelis geschriebenes multimediales Musical für und mit Flüchtlingen und Förderschülern der 5. bis 9. Klasse im Mecklenburg-Vorpommerschen Wolgast.

Antonia Michaelis ist Autorin des Stückes, erteilt den Geflüchteten und den Förderschülern Schauspielunterricht und führt Regie, unterstützt von Lehrkräften der Janusz-Korczak-Förderschule.
Yasmin Engelke komponiert gemeinsam mit den Schülern die Musik für das Stück, und ich kümmere mich um Theatertechnik, multimediale Komponenten sowie Öffentlichkeitsarbeit und Organisation.

„Grenzenlos“ wird wieder ehrenamtlich getragen.


Wir arbeiten mit geflüchteten Jugendlichen und solchen aus sogenannten „bildungsfernen Schichten“, Jugendlichen aus zerrütteten Familien, Jugendlichen mit einem Hintergrund voller Gewalt, deren Eltern großteils langzeitarbeitslos sind. Die einzige Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen, liegt vor allem im ländlichen Raum dieser Region im rechten Umfeld. Es muss eine Alternative geben!

Wir möchten den Jugendlichen und deren Umfeld zeigen, dass mehr in ihnen steckt. Wir möchten Kinder und Jugendliche aus zwei Problemgruppen aufeinander zu bewegen, Flüchtlinge und Einheimische einander näher bringen und zusammen etwas auf die Beine stellen.

Wir werden auch diesmal wieder Urlaub nehmen, um die wochenlangen Proben und Vorbereitungen zu ermöglichen, Zeit für Texte, Kompositionen, Filme, Camps, Photos, Lichtdesign, und Anträge finden. Wir werden wie bisher privates Geld in das Projekt stecken, doch unsere Mittel sind begrenzt.

Es soll weitergehen – mit Film, Tanz und Musik.

Es wird weiter gehen – mit  „Grenzenlos“

Ralph Brugger für das Team von „Grenzenlos“

Grenzenlos


ein deutsch-ukrainisch-syrisch-tschetschenisch-persisches Musical

Vier junge Menschen treffen sich auf dem Amt, jeder mit einem Problem, jeder dabei, einen komplizierten Antrag zu stellen:
Ein Arbeitsloser versucht, eine Waschmaschine bezahlt zu bekommen.
Eine Schülerin - ohne richtigen Abschluss - ist auf der Suche nach einer Lehrstelle.
Ein Flüchtlingsmädchen beantragt einen Platz in einem Sprachkurs, und ein weiterer junger Flüchtling versucht, seine Schwester nach Deutschland nachzuholen.

Sie alle scheitern an der Unvollständigkeit der jeweiligen Dokumente, und sie alle scheitern an Grenzen: Grenzen in Köpfen, Grenzen um Europa, Grenzen, die nur auf Papier existieren, Grenzen zwischen Bildungsschichten.

Viel einfacher wäre doch alles mit dem nötigen Geld zu lösen – glauben die vier.
Da kommt ihnen das im Amt aushängende Plakat gerade recht: Dort wird für einen Talentwettbewerb geworben.
Gib uns Deinen Song - und gewinne 10.000 Euro! schreit das bunte Poster.
Die vier machen sich also daran, ihren jeweiligen Song mit ihrer Geschichte zu schreiben und einzuüben.

Alle wohnhaft im gleichen Außenviertel, belauern sie sich gegenseitig und beschließen, die anderen „auszuschalten“, um weniger Konkurrenz zu haben.
Feindschaft zwischen Fremden und Deutschen kochen hoch, und es gipfelt darin, dass die jungen Leute die Instrumente der jeweils anderen mutwillig zerstören.

Im Zug auf dem Weg zum Talentwettbewerb treffen sie sich wieder und werden alle vom Schaffner erwischt: Keiner von ihnen hat eine Fahrkarte. Zum ersten Mal arbeiten sie zusammen, in dem sie dem Schaffner eine komplizierte Geschichte erzählen, weshalb sie fahrkartenlos fahren: Es mangelte angeblich wieder mal an den nötigen Formularen, die hätten ausgefüllt werden müssen.

Als sie im Ort des Wettbewerbs ankommen, merken die vier, dass sie plötzlich ein Team geworden sind, und sie ziehen einen gewagten Schluss: Da sie alle ohne Instrumente dastehen, muss jeweils einer für den anderen einspringen und dessen zerstörtes Instrumente nachmachen, während der singt.
Sie können auch ohne Instrumente auftreten – allerdings nur zusammen.
Aus vier einzelnen Schicksalen, aus vier einzelnen Liedern wird eines, eine spontane Bühnenshow, die das Publikum überzeugen muss.
Alle ihre Probleme können gelöst werden, solange sie gemeinsam daran arbeiten.
Die Grenzen, vor allem die in den Köpfen, werden eingerissen …

Dies alles wird nicht nur auf der Bühne, sondern auch in Filmsequenzen dargestellt, in denen die Menschen auf der Leinwand mit den „realen“ Menschen interagieren, auch hier verwischen die Grenzen. Rollen und Erfahrungen werden ausgetauscht – wenn Flüchtlinge im deutschen Supermarkt im Film über Waschmaschinen-Tabs philosophieren, die deutschen Förderschüler im Film als Flüchtlinge durch einen Grenzzaun brechen oder sich auf einem zu kleinen Schlauchboot drängen.
Die Hoffnungslosigkeit beider Randgruppen – der bildungsfernen und der Gruppe der Migranten – vermischt sich und wird am Ende zu einer großen, gemeinsamen Hoffnung.
Die gemeinsamen Feinde, der Formulardschungel Deutschlands und die alten Grenzen in den Köpfen, werden persifliert und mit viel Komik und Musik letztendlich (vielleicht) besiegt.